Kakteen am Zürichsee

Wer vom Bürkliplatz dem linken Seeufer entlang zum Strandbad Mythen­quai spaziert, kommt automatisch daran vorbei und übersieht sie vielleicht doch: die Sukkulenten-Sammlung Zürich.
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Mai 2015 Von aussen würde man nicht vermuten, dass die Gewächshäuser eine der weltweit bedeu­tendsten Sammlungen sukkulenter Pflanzen beherbergen. Deren berühmteste Vertreter, die Kakteen, dominieren das Bild, aber es gibt noch viele andere saftspeichernde Pflanzen zu entdecken. Darunter solche mit wunderlichen Formen, die an Steine oder Kuhfladen erinnern.
Rund 25’000 Einzelpflanzen aus über 6’500 Arten sind es, die in sieben Schau­häusern sowie einer Aussenanlage mit Frühbeeten und einem Steingarten präsentiert und gezüchtet werden. Noch einmal so viele Pflanzen sind in einem Herbar konserviert und dienen wissenschaftlichen Zwecken. Ein speziel­les botanisches Interesse ist aber nicht nötig, damit sich der Besuch lohnt: Es ist einfach ein schöner Ort.
Kakteen am Zürichsee
Am Anfang stand die private Sammlung eines Kakteengärtners, der seine Pflanzen aus gesund­heit­lichen Gründen der Stadt Zürich verkaufen wollte. Das Unterfangen scheiterte zunächst. Über Um­wege gelangte die Sammlung als Schenkung dann doch an die Stadt und wurde 1931 der Öffent­lichkeit zugänglich gemacht. Der Eintritt war kostenlos und ist es bis heute. Eine freiwillige Spende ist natür­lich immer willkommen. Oder man wird wie ich Mitglied im Förderverein und unter­stützt die Sukkulenten-Sammlung mit einem Jahresbeitrag.
Rosen haben Dornen, und Kakteen haben Stacheln – oder umgekehrt? Volksmund und Botanik sind da nicht gleicher Meinung.
— Spitze! (Jahresmagazin der Sukkulenten-Sammlung Zürich)

Wüste, Urwald, Schweiz

Sukkulenten zeichnen sich dadurch aus, dass sie Flüssigkeitsspeicher ausgebildet haben, die es der Pflanze ermöglichen, auch unter schwierigen Klimabedingun­gen zu gedeihen. Die Heimat der meisten Sukkulenten sind deshalb Wüsten, Halbwüsten, Grassteppen und Felspartien im Gebirge. Diese Umgebungen haben gemeinsam, dass sich hohe Tages­tempe­raturen und starke Sonneneinstrahlung abwechseln mit kalten Nächten. Der jeden Morgen ent­stehende Tau ist eine wichtige Wasserquelle, um Dürrezeiten zu überleben.
In der Sukkulenten-Sammlung Zürich gibt es aber auch ein Epiphytenhaus mit feucht-warmem Tropen­klima. Die dort untergebrachten sukkulenten Pflanzen, zu denen auch Orchideen gehören, wachsen auf Baumkronen. Dadurch bekommen sie mehr Sonnenlicht ab, haben aber keinen Boden, in dem sich Regenwasser sammeln könnte.
Man muss nicht unbedingt in ferne Länder, in Wüstengebiete oder in den Regen­wald reisen. Auch in der Schweiz gibt es Standorte mit steinigen Böden, auf denen sich heimische Sukkulenten angesiedelt haben. Den Begriff Sukkulenten verdanken wir sogar einem Schweizer Botaniker: Johann Bauhin war es, der die Bezeichnung im 17. Jahrhundert erfand, abgeleitet von succus, dem lateinischen Wort für Saft.
Kakteen am Zürichsee
Eine alljährliche Attraktion, die ich bislang leider verpasst habe, ist das Blühen der Königin der Nacht. Die ansonsten unschein­bare Pflanze öffnet ihre grossen Blüten für nur wenige Stunden und verströmt dabei einen betörenden Duft. Dies geschieht je nach Witterung im Zeit­raum Mai bis Juni. Wer darauf vorbereitet sein will, kann den Newsletter abonnie­ren, der Bescheid gibt, wenn es wieder soweit ist.