Ein Paar in den Bergen.
Ein Zufall, der alles verändert.
Kann ein Gedanke töten?

Himalaya

              
Fabians heimliche Affäre mit Mirjam ist ausser Kontrolle geraten und drängt ihn in ein Doppel­leben, dem er nicht gewachsen ist. Auf einer Bergwande­rung, bei der seine Frau Kristin einmal mehr glaubt, er sei auf Geschäfts­reise, spielt Fabian in einem verzwei­felten Moment mit dem Gedanken, seine Geliebte in den Abgrund zu stür­zen. Da trifft ihn der Zufall mit uner­warteter Wucht …
Himalaya steht für einen Ort, wo Erde und Himmel sich treffen, wo die Luft dünn ist und das Schicksal ein stän­diger Begleiter. Die sonnendurchfluteten Bilder sind trügerisch: Wie der Protagonist, kann sich auch das Publikum nie auf sicherem Boden fühlen. Thematisch knüpft dieser Kurzfilm an mein Drehbuch «Wie man vollständig verschwindet» an, das im Rahmen einer Dreh­buch­weiterbildung in Hamburg entstand. Es handelt sich um eigenständige Geschich­ten, beide Stoffe kreisen aber um ähnliche Figuren und Themen: Kausa­lität und Koinzidenz, Verdrängung und Ver­antwortung. In diesem Sinne war Himalaya für mich zugleich eine Film­studie, um erzählerische Motive, die mich seit längerem beschäftigen, im kleinen Rahmen auszuprobieren.
Himalaya erhielt von der Deutschen Film- und Medienbewertung Wies­baden FBW das «Prädikat wertvoll» und ist auf Vimeo in der Original­fassung mit Untertiteln zu sehen.
Kurzspielfilm 2011, 27 Minuten, Schweizer­deutsch/Deutsch (Untertitel d/e/f) Besetzung Andreas Sigrist, Zara Nydegger, Katja Steuer, Jelena Bitterli Produktion .hausformat Buch & Regie, Schnitt Roland Unterweger Aufnahmeleitung Reto Schmid Kamera Brian D. Goff Licht Hanspeter Wieland Kameraassistenz Bruno Stadler Ton Silvio Anania Runner Tobias Fiechter Visual Effects Sacha Suter Musik, Tonmischung Beni Mosele Unterstützung Aargauer Kuratorium, ActionProducts, VFB Lichtverleih, Frogman Studio
Nennt mich Lügenpeter.
Aber ich habe es mit
eigenen Augen gesehen,
ich schwör’s!

Das Elbetritschli
und der weisse Wal

Als mich die Künstlerinnen von île flottante, Andrea Gsell und Nica Giuliani, anfragten, ob ich bei ihrem Medienkunstprojekt Expansion sonore mit­wirken möchte, musste ich nicht lange überlegen. Mit kristallinen Objekten an Basler Häuserfassaden schufen sie Stationen, an denen man mit dem eigenen Mobiltelefon ins Innere der Gebäude lauschen und gefundene wie erfundene Hörwelten anzapfen konnte. Die Gestaltung der einzelnen Hörstücke vergaben île flottante an externe Kunstschaffende.
Ich bespielte ein Haus an der Hafenstrasse, das ehemals der Neptun-Reederei gehörte. Mit dieser Zuteilung war ich mehr als zufrieden, zählt doch der Hafen zu den Stimmungen, die mich seit meiner Zeit in Hamburg besonders faszinieren. Bei meinen Recherchen zur Rheinschifffahrt stiess ich auf ein Fabelwesen: das Elbetritschli. Das Tier dürfte mit dem bayerischen Wolpertinger verwandt sein und eignet sich hervorragend, um naive Schiffsjungen zum Narren zu halten.
Eine zweite Geschichte, die mir bei meinen Nachforschungen begegnete, war nicht weniger fantastisch, aber wahr. In den Sechzigerjahren verirrte sich ein weisser Beluga-Wal in den Rhein und sorgte unter dem Namen Moby Dick weltweit für Schlagzeilen. Ich verknüpfte die beiden Stoffe miteinander und entwickelte daraus ein Kurzhörspiel über einen Schiffsjungen, der im Rhein einen weissen Wal sichtet – was ihm natürlich niemand glaubt.
Kurzhörspiel für Medienkunstprojekt 2007, 6 Minuten, Deutsch Rahmenkonzept île flottante – Andrea Gsell, Nica Giuliani Buch & Realisation Roland Unterweger Sprecher Tobias Pingler Studioaufnahme Hans Peter Gutjahr Unterstützung Expansion sonore Kunstkredit Basel-Stadt, Aargauer Kuratorium, Christoph Merian Stiftung, GGG Basel
Was nun?
Wie sich bewegen
in einer Welt voller Reize,
auf die man reagiert,
wie ein Pawlowscher Hund?

opa.tif

Als ich das Bild zum ersten Mal sah, lag es in einer mit Gold­folie über­zogenen Kartonschachtel, begraben unter einem Stapel von Familienfotos. Etwas ratlos legte ich das Bild auf den Scanner. Beim Kopieren der Daten auf eine Diskette startete ver­sehentlich ein Texteditor, der mich fragte, ob ich die Datei opa.tif in ASCII-Code umwandeln wolle. Ein Mausklick und ein geheim­nisvolles Dokument voll kryptischer Zeichen füllte den Bild­schirm. Seine Magie liess mich nicht mehr los.
opa.tif ist eine Bildbetrachtung. Gegenstand der Betrachtung ist allerdings nicht das Bild selbst – das Hochzeitsfoto meiner Grosseltern –, sondern dessen digitales Abbild. Das Bildmotiv selbst erschliesst sich erst nach einer gewissen Zeit. Zuerst ist man zu nahe dran, sieht nur ab­strakte Pixel. Mit zunehmender Interaktivität entfernt sich die Foto­grafie, wird erkennbar, ent­zieht sich wieder und endet als unschein­bares Desktop-Icon.
Der Computercode, der das Bild beschreibt, wird auf verschiedene Weise interpretiert und zum Aus­gangspunkt eines Geflechts aus Geschichten und Assoziationen. In den drei Kapiteln dieses interaktiven Datenessays erscheint das Bild als Text, als dreidimensio­nale Punktwolke und als Audiodatei. Das Verfahren ist ebenso von den Algorithmen meines Instru­ments, des Computers, geprägt, wie von meiner subjektiven Interpretation und Vorgehens­weise. So liess ich beispielsweise den kryptischen Code durch die Rechtschreibeprüfung eines Textverarbei­tungsprogramms laufen. Die Software markierte vermeintlich falsch geschriebene Wörter, schlug Korrekturen vor und lieferte mir so Stichworte im Klartext, die ich weiterverfolgte.
Ein bei Recherchen entdecktes alchimisti­sches Experi­ment nach dem Prinzip «similia similibus» (Gleiches mit Gleichem) liess die Farbe Gelb zum Leitmotiv meiner Arbeit werden: Als «Gelber Fleck» im menschlichen Auge ist es die Zone unserer höchsten Sehschärfe.
Datenessay (interaktive CD-ROM) 2004, Deutsch Konzept, Gestaltung & Programmierung Roland Unterweger mit Bildern von Eva Witschi Beratung Karin Fromherz Gemperle Unterstützung Aargauer Kuratorium
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Diese Database-Arbeit ist mit medienspezifischer Präzision den neuen Formen des Erinnerns und Gedenkens auf der Spur. Wie können wir noch erinnern, wenn wir ein Bild nicht mehr sehen, sondern es nur noch in ver­schie­dene Formen von Code über­setzen können? Wie kann sich das Gedächtnis formieren, wenn die Maschine statt eines Gesichts Hunderte von krypti­schen Daten ausspuckt?
— Yvonne Volkart in: Das Kunstschaffen in der Schweiz 1848-2006
Das Ziel einer Ikone ist
eine schlichte Aussage
über den Glauben.
bringt uns der Computer
die Erlösung?

Ikonen – Icons

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Diese Ausstellung von karopic im Kunstraum Aarau war die Weiterentwicklung einer Auftrags­arbeit für die Neue Zürcher Zeitung, bei der wir eine Sonder­beilage zur Computermesse Orbit künstlerisch illustriert hatten.
Reizvoll ist, dass wir im Kunstraum Aarau den Symbolen einer schnellen, dynamischen, lärmigen Welt ausgerechnet in ruhiger, fast meditativer Umgebung begegnen, festgefroren auf Bildträgern, welche Anspruch auf Ewigkeit suggerieren.
— Aargauer Zeitung
Ausgangspunkt des Konzeptes waren die oft seltsam anachro­nistischen Metaphern, die uns täglich bei der Arbeit am Computer begleiteten.
Der Zwiespalt zwischen Tradition und Computer­zeitalter drückte sich auch in der Wahl des Bild­trägers aus: Für einmal brachte der – trotzdem sehr digitale – Prozess keine Video-Installation hervor, sondern konventionelle Bilder, die man an die Wand hängen konnte. Nicht zuletzt für uns selbst ein un­gewohnter Anblick! Die 13 Holz-Ikonen, darunter drei Triptychen, sind Hybride zwischen Ikonen­malereien und Computergrafik.
Der Medientheoretiker Vilém Flusser hat einmal gesagt, um nicht selber ein Teil davon zu sein, müsse man technische Apparate gegen ihr Programm verwenden.
— Aus der Vernissagerede von Irene Vögeli
Den Hintergrund bilden Fotos von russischen Ikonen, aus denen die ursprünglichen Heiligenfiguren wegretuschiert wurden. Auch die Computericons orientieren sich an den realen Vorbildern. Die Vorlagen, winzige Quadrate à 16 oder 32 Pixel, baute ich in einer 3D-Software mit zusätzlichen Details nach und kombinierte schliesslich die beiden Bildebenen. Die Motive wurden auf Holzbretter gedruckt und stellenweise mit Goldfarbe bemalt. Wie die religiö­sen Ikonen blieben auch unsere Kultbilder unsigniert.
Computerbilder auf Holz, 2000 Konzept karopic – Karin Fromherz Gemperle & Roland Unterweger Computergrafik Roland Unterweger Bemalung Karin Fromherz Gemperle
Zehn kleine Landschildkröten
lockt die weite Welt.
Frei nach Agatha Christie
und den Toten Hosen.

Zuppa Tartaruga

Die gekonnt gefilmten Tiere und die professionelle Computer­animation verfliessen zu Vexier­bildern zwischen Märchenwelt und Realität.
— Bundesamt für Kultur
Auch wenn Zuppa Tartaruga sichtlich in die Jahre gekommen ist, erinnere ich mich gerne an dieses Projekt zurück. Unter der Regie von Karin Fromherz Gemperle entstanden, war dieser Trick­film ein ebenso span­nendes wie hartes Stück Arbeit. Wie unsere Protago­nistinnen, die Schild­kröten, lockte uns die unbekannte Welt. Mit ungebändigter Lust auf Bild­­manipu­lation stürzten wir uns ins digitale Abenteuer.
Es war von Anfang an klar, dass wir mehr auf unsere Fantasie, denn auf teure Technik setzen mussten. Und auf schiere Arbeitskraft: Endloses Rotoscoping (Einzelbild­bearbeitung) raubte uns Tage und Nächte. Nicht weniger heraus­fordernd als die Arbeit am Computer war die «Schau­spielführung». Durch Beobachtung und Beratung einer Züchterin, die uns freundlicherweise nebst den Tieren auch ihren Keller als Studio zur Ver­fügung stellte, loteten wir die Mög­lichkeiten aus und begriffen schnell, was am besten funktioniert: Futter und Geduld.
Zuppa Tartaruga erhielt nach seiner Fertig­stellung eine Studienprämie des Bundesamtes für Kultur. Der mehrfach ausgezeichnete Kurzfilm lief sehr erfolgreich an Filmfestivals und wurde von verschiedenen Fernsehsendern ausgestrahlt. Pro Helvetia ermöglichte uns zusätzliche Sprach­fassungen und Kinokopien und zeigte die Arbeit im Rahmen ihrer internationalen Tourneeprogramme.

Animation/Trickfilm 1998, 6 Min., Deutsch (Sprachversionen Englisch mit UT Spanisch, Portugiesisch) Konzept & Regie Karin Fromherz Gemperle Computergrafik Karin Fromherz Gemperle, Roland Unterweger Kamera Richard Grell Stopptrick Stephan Wicki Songtext Roland Unterweger Musik Los Chicos Perfidos Produktion karopic & Schule für Gestaltung Luzern Verleih Swissfilms Unterstützung Video One AG, Bundesamt für Kultur, Pro Helvetia
«Zuppa Tartaruga» ist ein beispielloses Stück innovativer Schweizer Computeranimation.
— Cinema Jahrbuch
«Zuppa Tartaruga» von Karin Gemperle ist ein eben­so rares wie exquisi­tes Beispiel von schwar­zem Humor made in Switzer­land und avan­cierte beim Trickfilm­wett­bewerb von Solothurn prompt zum Publikums­liebling. Nach dem Muster der «Zehn kleinen Neger­lein» lassen die Regisseurin und ihr Koautor, Roland Unterweger, zehn Land­schildkröten über die Klinge springen und überbieten sich dabei an absurden Einfällen.
— Tagesanzeiger
Was auf dem Bildschirm maka­ber anmutet, ist in Wirklichkeit Lug und Trug, Manipulation pur, mit dem Fazit: Wer den Computer beherrscht, kann die Wirklich­keit neu erfinden.
— Annabelle
Weissglut.
Weißwurst.
Weisses Rauschen.

karopic

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Während meiner jahrelangen Zusammenarbeit mit Karin Fromherz Gemperle entstand eine Vielzahl an künstlerischen Arbeiten. Einige Projekte realisierten wir zu Zweit unter dem Label karopic, das wir auch für Auftragsgestaltungen nutzten. Oftmals war es gegenseitige Mit­arbeit in wechselnden Konstellatio­nen, geplant wie spontan.
Die Kontinuität in unserer künstlerischen Arbeit verdankten wir nicht zuletzt dem Aargauer Kuratorium, dass uns mehrfach mit Werkbeiträgen förderte; 2002/2003 durften wir gemeinsam einen sechs­monatigen Atelieraufenthalt in Prag ver­bringen.
Alle unsere Projekte sind von digitalen Techniken geprägt, die im ausgehenden 20. Jahrhundert Neu­land darstellten, das es zu erobern galt. Besonders fasziniert waren wir vom Flimmer­effekt, der sich durch Video­halb­bilder hervorrufen lässt – oder besser gesagt: hervorrufen liess. Unsere Experi­mentierfreudigkeit erweist sich im nachhinein als Wermutstropfen. Wir produzierten technisch fragile Bilder, die auf heutigen Abspielgeräten leider nicht mehr korrekt wiedergegeben werden.

Es war eine wilde Zeit. Von den zahlreichen Zusammen- und Mitarbeiten sind mir folgende Projekte besonders in Erinnerung geblieben:

white noise Video-Installation von karopic 1995 Die Meyersche Grottenschau Raum-Installation von karopic 1996 family tree Video-Installation von Karin Gemperle (Mitarbeit Computer­grafik) 1996 biohell Video von Karin Gemperle und Davix (Mitarbeit 3D-Anima­tion) 1997 Zuppa Tartaruga Trickfilm 1998 Hinter offenen Türen Video-Installationen von Karin Gemperle (3D-Animation) 1998 Webmatador Video-Installation von Karin Gemperle (3D-Animation) 1999 Ikonen – Icons Ikonenbilder von karopic 2000 Mimosa Video-Installation von karopic 2002
Wenn die Kräfte nicht zu heftig waren,
bleiben Fossilstrukturen von der Feinheit
eines lebenden Organismus erhalten.

Le Musée à Deux

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Ein Mann und eine Frau, die einzigen Besucher an diesem Nach­mittag. In einer vermeintlich toten Welt, inmitten ausgebleich­ter Tierkörper, verdunstender Spiritus­präparate, glas­starrer Blicke, beginnen sie ihren Rundgang durchs Museum.
Dieser im Kino des Kunst­museums Bern uraufgeführte experimentelle Kurzfilm bildete den Abschluss des Zyklus’ «A DEUX» von Angela Hausheer und Andreas Sigrist Fünf aufeinanderfolgende Abende, die das Theaterstück «La Musica deuxième» von Marguerite Duras verband: Ritual, Performance, Theater, Tanz und Film. Der Film wurde im Anschluss weiter ausgewertet, meist in Verbindung mit einer Perfor­mance.
Den morbiden Schauplatz des Filmes lieferte uns das alte Aargauer Natur­museum, bevor es modernisiert und als Naturama neu eröffnet wurde. Die Geschichte des Paares, das zum Scheidungstermin zurück in die Stadt gekommen ist, in der es zu Beginn der Ehe wohnte, wird im Film verfremdet erzählt. An die Stelle von Dialogen treten populärwissenschaftliche Texte: zur Ent­stehung des Lebens auf der Erde, zum Vogelflug, zu Fossilien und künst­lichen Konservierungs­methoden.
Während die ausgestopften Tiere und Skelette zunehmend ein Eigenleben entwickeln, werden die Hauptfiguren zu menschlichen Präparaten. Die Aus­stellung entpuppt sich als Anatomie ihrer Liebe.
Experimenteller Kurzfilm 1993, 15 Min., 16mm, Deutsch Besetzung Angela Hausheer, Andreas Sigrist Konzept & Montage Angela Hausheer, Andreas Sigrist, Roland Unterweger Regie Roland Unterweger Kamera Ruedi Muster Kameraassistenz Brian D. Goff Licht Andres Zaugg Assistenz Hans Tschümperlin Unterstützung Kanton Aargau, Kanton Bern, Kanton Solothurn, Stadt Aarau, Stadt Bern, Migros-Genossenschafts-Bund, Hans und Lina Blattner Stiftung
Ein Film über
Auswanderungslustige
und unechte Flüchtlinge.

Britt/wil

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Der stilistisch an die Erzählungen von Jeremias Gotthelf angelehnte Schwarzweiss-Film schildert das Schicksal einer Aargauer Kleinbauernfamilie Mitte des 19. Jahrhunderts und konfrontiert das Publikum mit einer ver­kehrten Welt. Die heute reiche Schweiz präsentiert sich als verarmtes Entwicklungs­land: Wirt­schafts­flücht­linge wandern in Massenbewegungen nach Südamerika aus. Geführt von staatlich konzessionierten Schlepper-Organisationen und im Auftrag von Gemeinden, die ihre Armen­genössigen nicht länger durchfüttern wollen oder können.
Britt/wil entstand im Rahmen des 700-jährigen Bestehens der Schweizer Eidgenossenschaft und wurde an den Jubiläumsfeierlichkeiten in Aarau uraufgeführt. Danach lief der Film an Festivals, in vereinzelten Kinos und am Schweizer Fernsehen. Das Projekt fiel in eine Zeit hitziger Diskussionen, die nichts an Aktualität eingebüsst haben: Unter welchen Umständen hat ein Mensch Recht auf Asyl?
Die historische Recherche, die mit dem Drehbuchschreiben einherging, führte mir eine Schweiz vor Augen, das ich kaum noch wiedererkannte. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Gemeinden, die sich besonders laut gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehrten, im Jahrhundert zuvor selbst Flüchtlingsströme zu ver­ant­worten hatten. Diese plakative Parallele konnte aber nicht die Grundlage des Filmes sein. Mir ging es vielmehr darum, die Thematik mit neuen Identifikationsfiguren zu erzählen: Menschen, die in unserem Kanton, in unseren Dörfern lebten. Eine Gemeinsamkeit zwischen den «Auswande­rungs­lustigen» des 19. und den «unechten Flüchtlingen» des 20. Jahrhunderts ist augenfällig: Beide Begriffe sind irre­führend.
Kurzspielfilm 1991, 40 Min., 16 mm, Schweizerdeutsch Besetzung Michael Wolf, Barbara Suter, Albrecht Haldimann u.a. Produktion Stephan Kalt Buch & Regie, Musik, Schnitt Roland Unterweger Kamera, Schnitt Ruedi Muster Kameraassistenz Brian D. Goff Licht Andres Zaugg Ton Andreas Mader Projektleitung Bruno Nüsperli Unterstützung Bezirks-OK Aarau 700-Jahr-Feier, Ortsbürgergemeinde Aarau
Britt/wil ist ein 700-Seelen-Dorf. Irgendwo. Wer glaubt, Brittnau und seine inzwischen in der ganzen Schweiz berühmte Asylanten-Politik sei angesprochen, der könnte recht haben. Doch das wäre dann wohl nur ein wenig Sarkasmus, in einer Titelzeile versteckt, der wenig mit der besonderen Qualität dieses Streifens zu tun hat.
— Aargauer Zeitung
Die Gemeinde, froh, sich der Armen­genössigen zu entledigen, rodet gar ihren Wald, um die Überfahrt der Auswanderungs­willigen zu finanzieren. Jeder gefällte Baum ein hungriges Maul weniger, jeder fallende Stamm aber auch ein Entwurzelter, heimat­los Gewordener, ein Flüchtling. Eine kleine stimmige Lektion zur neueren Schweizer Geschichte als Beitrag zur Diskussion um «echte» und «unechte» Flüchtlinge. Die Parallele – im Film über den Titel ange­deutet – dürfte leicht zu ziehen sein.
— Cinema Jahrbuch
In einem so kurzen Film dies eindringlich, prägnant zu zeigen ist eine Leistung für sich. Regie und Darsteller bewältigen sie ein­drücklich, glaubwürdig. Wenn am Schluss die salbungsvollen Worte des Gemeinde­ammanns und des Agenten auf das Häuflein der Auswanderer prallen, die stumm, mit ihrem wenigen Gepäck diesen Abschied über sich ergehen lassen, dann durch die mit Schnee bedeckten Wege dem Leiter­wagen nachlaufend, aus dem Bild ent­schwinden, dann ist wohl der Bogen über Jahrzehnte bis zum Heute gespannt, dann wird eindringlich klar, was es für jede Menschengeneration, wo immer sie auch leben mag, heisst, der Heimat den Rücken kehren zu müssen.
— Badener Tagblatt
In klaren Nächten
kann es vorkommen,
dass ein Nachtfalter,
vom Licht angelockt,
auf den Mond zufliegt.

Briefe an Hélène
oder wie alles begann

Soweit ich mich zurück erinnere, konnte ich mich für Aufführungen jeglicher Art begeistern. Meine gesamte Schulzeit war geprägt von Theater. In der Mittelschule fand sich eine ambitionierte Truppe zusammen, von denen später einige ihre Leiden­schaft zum Beruf machten. Wir begannen mit selbst geschriebenen Kabarett-Programmen, nahtlos folgten «richtige» Theaterstücke.
Diese Wurzeln prägten mich. Bis Ende der Neun­ziger­jahre führte ich parallel zu Film und Medien­kunst immer wieder Regie bei Theater­inszenie­rungen mit Laiengruppen. Abschluss und persön­licher Höhe­punkt zu­gleich war 1999 die Uraufführung meiner Adaption des Hörspiels «Fahrerflucht» von Alfred Andersch mit den Aarauer Gaukelaien.
Meinen ersten Film realisierte ich 1988: Briefe an Hélène. Heute würde ich es als ein No-Budget-Projekt bezeichnen, damals verschlang das No meine gesamten Ersparnisse. Mich gleich an einen abendfüllenden Spielfilm zu wagen, kann ich mir nur mit jugendlichem Sturm und Drang erklären. Immerhin bescherte dieses Frühwerk mir und meinen Mitstreitern die erste Premiere an den Solothurner Filmtagen. Holly­wood, wir kommen!
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